Wochenreport #2 - Deutsch

October 7, 2018

Reisebericht bis am 28. Sept. 2018

 

Nach dem ich letzten Sonntag in Witten angekommen bin, habe ich mich schnell eingelebt.

Ich lebe jetzt bei Reiner, einem 70-jährigen Deutschen, der selber viel gereist ist und sein Haus seit ein paar Jahren für andere Reisende geöffnet hat.

Nach einer Woche auf der Strasse tut es gut, wider Gespräche führen zu können, die über den normalen Smalltalk hinaus gehen.

Das Recht, hier gratis zu wohnen, essen und trinken, verdiene ich mir in dem ich mich an den Arbeiten um das Haus beteilige, was sich hauptsächlich auf kleiner Reparaturarbeiten bezieht.

 

Letzten Dienstag sind wir dann zum Hambacher Forst gefahren, wo eine Gruppe von Demonstranten, die Abholzung eines 12’000 Jahre alten Waldstückes verhindern möchte.

Unglaublich wie die dort organisiert sind. Neben einem Zeltlager auf einer Privatwiese, wurde eine Mahnwache errichtet, zum Gedenken an den kürzlich verstorbenen Journalisten, der vom Baum gefallen ist, Greenpeace ist aufgefahren mit 2 LKW’s, wo man sich mit Strom und Internet für die Mobiltelefone und Powerbanks versorgen kann und im Wald wurden über Monate ca. 70 Baumhäuser gebaut.

Diese Baumhäuser sind nun zentraler Konfliktpunkt, da die Polizei sie abreissen will, die Demonstranten sich aber vehement dagegen wehren.

 

 

 

Obwohl der Wald für Privatpersonen offiziell gesperrt war, haben mein Begleiter und ich uns Zutritt verschafft, indem ich mich als Journalisten ausgegeben habe. Als Student der Fernuni Hagen, mit Studentenausweis, Klemmbrett und Fotokamera, haben sie mir dann ganz offiziell den Zutritt gestattet und sogar die Pressesprecherin der Polizei ist mich besuchen gekommen.

Am frühen Abend sind wir dann raus aus dem Wald und wollten zurück kommen um die Widerstandskämpfer mit Verpflegung zu versorgen (was auch von der Polizei bewilligt wurde).

Bei der letzten Kontrolle, kurz vor den Baumhäusern, kam dann die grosse Überraschung, als ein Polizist feststellte, dass mein Taschenmesser illegal sei…

Anscheinend durfte man dieses Messer besitzen, aber nicht in der Tasche mitführen, was ich leider nicht wusste und so wurde ich kurzerhand verhaftet.

 

 

 

Ganz offiziell abgeführt, in einem Gefängnisauto transportiert, landete ich schlussendlich im 30min entfernten Aachen, an der niederländischen Grenze, wo ich die Nacht im provisorischen Massengefängnis, mit anderen Demonstranten verbringen durfte.

Das war super lustig, da die Leute auf der Wache sich selber über das deutsche Rechtssystem aufgeregt haben und nicht verstanden haben, warum man mich nicht einfach gehen liess.

Derweilen habe ich es mir im Knast gemütlich gemacht und eingewickelt in eine Decke konnte ich sogar ein paar Stunden schlafen.

Als ich um 03:00 Uhr morgens frei kam, staunte ich nicht schlecht, als ich draussen vor dem Polizeipräsidium ein weiteres Camp der Demonstranten entdeckte.

Direkt neben dem Eingang des Gefängnisses haben sie Zelte aufgeschlagen, mit Küche, Toilette und 2 Wohnanhängern zum schlafen.

Ich wurde herzlich empfangen, mit warmer Suppe und Tee versorgt und vom Rechtsdienst des Widerstandes (sowas gibt es…) ausgefragt, wie die Situation im Gefängnis ausschaute.

Am nächsten Morgen kamen dann etliche Leute aus der Stadt und brachten uns frischen Kaffee, Kuchen und Brot vom Bäcker vorbei.

 

Es tat gut zu sehen, dass die Generation der Millennials durchaus am Leben ist und zu mehr fähig ist, als nur am Computer zu sitzen. Die breite Unterstützung aus allen Teilen der Bevölkerung empfinde ich als grossartig, so waren von 16 bis 80 alle Altersgruppen vertreten und sogar ganze Familien mit kleinen Kindern waren von Zeit zu Zeit anzutreffen.

Neben den bereits erwähnten Einrichtungen bildete sich in der Umgebung von Hambach, sowie in Aachen eine grosse Gruppe von Leute, welche Schlafplätze und Fahrdienste anboten für Demonstranten und Entlassene aus dem Gefängnis.

 

Meine Knast-Odyssee ging zu Ende in dem ich mir den Weg zurück nach Witten per Anhalter suchte. Mein Begleiter musste leider schon in der Nacht nach Hause, da er keine Ahnung hatte ob ich 3 Stunden oder 24 Stunden in Gefangenschaft bleiben werde, aber das trampen bin ich mir ja gewohnt. So kam ich schnell nach Dortmund und wurde erneut mit Kaffe und Kuchen verpflegt, von einer nette Familie mit Wohnmobil.

Die nächsten Tage gestalteten sich dann eher ruhiger und so konnte ich mich ganz auf den Journalismus und mein Studium konzentrieren.

Das schlafen im Haus bekam mir allerdings gar nicht gut, da die Luft viel zu trocken war.
Nun schlafe ich im Garten wo ich mein Zelt aufgebaut habe und geniesse die frische der Nacht und den Weckruf der Sonne.

 

Mal schauen was die nächste Woche bringt…

Viva la vida 😎✌🏻

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